Game Boy Color: 2003 Harry Boy 4

Veröffentlicht am

in

(pwc) 2003 Harry Boy 4 (2003 Ha Li Xiao Zi IV | 2003哈利小子IV) ist ein nicht lizenziertes Game Boy Color-Spiel zu Joanne K. Rowlings Romanreihe Harry Potter. Programmiert wurde es von der chinesischen Firma Sintax Technology Co., Ltd. Das Jahr der Veröffentlichung ist mir nicht bekannt – anhand des Titels vermute ich allerdings, dass es 2003 erschienen ist.

Ebenfalls nicht ganz klar scheint der Zusammenhang des Spieletitels mit den Veröffentlichungen der Roman- bzw. Filmvorlagen zu sein. 2003 erschien Harry Potter und der Orden des Phönix (Band 5), Band 4 hingegen bereits im Jahr 2000 (Harry Potter und der Feuerkelch).

Die im Spiel verwendeten Filmschnipsel sprechen jedoch ganz eindeutig für Band 2 (Harry Potter und die Kammer des Schreckens, 1998).

Wenn ich davon ausgehen kann, dass weder die „2003“ noch die „4“ im Spieletitel im Zusammenhang mit den Roman- bzw. Filmvorlagen stehen, kann hier eigentlich nur das Veröffentlichungsjahr sowie die fortlaufende Nummerierung der von Sintax programmierten Harry Potter-Spiele gemeint sein. Harry Potter 2 sowie Harry Potter 3 2003 aus dem Sintax-Portfolio sind mir bekannt – Teil 1 allerdings nicht.

Ich gebe zu, dass das alles etwas verwirrend klingt, und ihr fragt euch bestimmt, wieso ich überhaupt eines der unzähligen nicht lizenzierten „China-Module“, die man regelmäßig auf Flohmärkten in verschmutzten Wühlkisten findet, anspreche.

Die Frage ist schnell beantwortet: Man mag es kaum glauben, aber 2003 Harry Boy 4 ist ein richtig gutes Game Boy-Spiel!

Nach einem kurzen Abgleich mit den offiziell auf dem Game Boy Color erschienenen Harry Potter-Spielen (The Chamber of Secrets und The Sorcerer’s Stone) handelt es sich bei der von Sintax interpretierten Version von The Chamber of Secrets um eine Eigenentwicklung.

Acht Level gilt es zu meistern, bis wir schlussendlich dem Basilisken gegenüberstehen. Doch bis dorthin ist es ein langer Weg – zumindest einer von etwa einer Stunde. So lange habe ich benötigt, um das Spiel beim ersten Durchgang zu beenden.

Wir starten unser Abenteuer mit Harry Boy im Vorgarten der Familie Dursley. Unsere Aufgabe ist es, sogenannte Fighter Stars sowie Wizard Cars einzusammeln. Im Prinzip besteht in jedem der acht Level eine Sammelaufgabe, die sich entweder auf Sterne und Wizard Cars-Embleme, auf Feuerwerk oder – im Fall des Quidditch-Levels – auf den Goldenen Schnatz bezieht.

Doch der Reihe nach: Im Vorgarten ist ganz schön was los. Mäuse, Bärenfallen oder blaue Schildkröten mit Stachelpanzer kreuzen unseren Weg. Für Harry Boy natürlich kein Problem. Sind wir den Anforderungen des Levels vollständig nachgekommen und haben alles eingesammelt, treffen wir auf Dobby, der uns den Weg ins nächste Level ebnet. Fehlt uns hingegen noch das eine oder andere Sammelobjekt, macht er uns gegenüber eine unmissverständliche Bewegung mit dem Zeigefinger.

Die nächsten Level führen uns nach Hogwarts, über das Quidditch-Spielfeld, in den Verbotenen Wald bis hin zur Kammer des Schreckens. Neben roten Fledermäusen und lila Fröschen haben es Spinnen unverständlicherweise nicht in den Verbotenen Wald geschafft – merkwürdig, wo sie doch in der Romanvorlage eine tragende Rolle spielen.

Was macht 2003 Harry Boy 4 eigentlich so gut?

Das, was als Allererstes ins Auge sticht, ist nun einmal die gebotene Grafik. Die Level sind sehr hübsch gestaltet. Gerade in den Außenbereichen (Vorgarten der Dursleys und später in Hogwarts) und vor allem dort, wo wir eine üppige Vegetation vorfinden, kann man schon fast von malerischen Hintergründen sprechen. Level 6 geht hier mit gutem Beispiel voran: freundliche Pastelltöne, wohin das Auge blickt. Selbst das Gemäuer ist detailliert gepixelt – im letzten Level haben wir sogar einen animierten Hintergrund mit fließendem Wasser.

Harry Boy selbst sieht wie ein kleiner, süßer Zauberer aus und seine Animationen sind sehr gelungen – genauso wie die der unterschiedlichen Gegnertypen. Die Programmierer waren dabei vor allem ideenreich. So kommen Geister unter anderem aus dem Boden geflogen, blaue Schildkröten mit Stachelpanzern igeln sich ein und Bärenfallen schnappen abrupt zu. In 2003 Harry Boy 4 muss man wirklich mit vielem rechnen.

Lässt man Harry Boy zu lange unbewegt auf der Stelle stehen, wird ihm übrigens langweilig. Er geht in die Hocke und malt mit seinem Finger (oder Zauberstab?) etwas auf den Boden. Sehr witzig. Die Steuerung des Spiels ist recht simpel: A = Springen, B = Angriff mit dem Zauberstab, B und Steuerkreuz nach vorne … und jetzt wird es wirklich cool: Harry Boy schwingt sich auf seinen Besen und düst durch das Level. Yeaaahhh! So etwas habe ich in einem Game Boy-Spiel tatsächlich noch nicht gesehen.

Das Sprungverhalten von Harry Boy ist exakt – in der Regel sollte man alle Sprungpassagen mit Leichtigkeit meistern. Zu Beginn des Spiels stehen euch zwei Leben und acht Herzen zur Verfügung. Für jeden gegnerischen Treffer verliert ihr ein Herz. Da ihr allerdings in jedem Level nicht nur die Chance habt, eure Energie mehrmals aufzuladen, sondern auch regelmäßig Extraleben findet, sollte das Spiel insgesamt eher leicht von der Hand gehen.

Das Highlight des Spiels kommt natürlich ganz zum Schluss: der Kampf gegen den Basilisken in einer würdigen Arena. Ich wollte meinen Augen zunächst kaum trauen: Der Basilisk bewegt sich grandios. Er schlängelt sich über den sandigen Boden und vergräbt sich direkt vor Harry Boys Augen. Wenn man genau hinsieht, kann man sogar eine kleine, rot animierte Zunge aus seinem Maul erkennen. Im Endboss-Level setzt zudem eine hochspannende Hintergrundmusik ein (die übrigen Level verfügen eher über einen Soundtrack direkt aus der Hölle – hier ist Abschalten durchaus angesagt).

Nach einem kurzen und schmerzlosen Kampf präsentiert sich ein schmuckloses „END“. Ohne Copyright-Hinweise oder überhaupt irgendwelche Credits springt das Spiel direkt zurück an den Anfang und wir können das Abenteuer erneut beginnen.

Wir haben es geschafft: 2003 Harry Boy 4 ist gemeistert und ich kann nur sagen: nicht zum letzten Mal. Das Spiel wird definitiv noch einmal durchgespielt – allein schon, um meine erste Spielzeit von 59 Minuten zu unterbieten.

Schlussendlich bleibt mir nur zu sagen, dass ich eine klare Kaufempfehlung aussprechen kann. Es gibt viel unlizenzierten Schrott auf dem Game Boy – 2003 Harry Boy 4 bildet jedoch eine Ausnahme. Die einzigen Wehmutstropfen sind der überwiegend nervige Soundtrack sowie die Tatsache, dass die Harry Boy-Figur jedes Mal automatisch im jeweiligen Bildschirmausschnitt zentriert wird.

Das Spiel ist übrigens – im Gegensatz zu manch anderem „China-Modul“ – kein einziges Mal abgestürzt.

An dieser Stelle vielen Dank an den gameboyland.de-User Flex06 für das Zurverfügungstellen des Moduls.

Bewertung: 3 von 5.

3 Antworten zu „Game Boy Color: 2003 Harry Boy 4“

  1. Jakon

    Ein gutes unlizensiertes Spiel basierend auf einer Buch/Filmfigur aus China.
    Der Beitrag hat mich jetzt echt neugierig auf das Spiel gemacht.
    Aber warum auch nicht Kammer des Schreckens und Stein der Weisen auf dem GBC waren ja auch richtig gute RPGs.

    1. power_channard

      Da gebe ich dir recht. Die beiden Harry Potter Teile auf dem GBC sind richtig richtig gut – komplett durchgezockt habe ich sie allerdings nie. Vielleicht sollte ich das mal nachholen :-)

  2. […] im Spieletest zu 2003 Harry Boy 4 bereits angekündigt, wollte ich meine bisherige Zeit beim ersten Durchzocken […]

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..


Dir gefällt dieser Beitrag?

GAME BOY Camera Bilderservice
GAME BOY Printer Papierservice

575.526 Besuche