channard trifft TRIAC – 22.05.2015 | Dresden

Während meines Aufenthalts in Sachsens Landeshauptstadt Dresden, hatte ich die Gelegenheit TRIAC zu treffen – der Game Boy Musiker und Chiptune-Künstler hat mir interessante Einblicke in seine Arbeitsweise und die kleine aber feine Szene gegeben.

Für das Interview treffen wir uns in einer gemütlichen Bar in Dresdens Neustadt: dem Wohnzimmer.

channard: Hallo TRIAC. Vielen Dank, dass das mit unserem Treffen geklappt hat. Wenn ich schonmal in Dresden bin und in Dresden ein bekannter Chiptune-Musiker wohnt, bietet sich die Gelegenheit ja geradezu an, sich einmal zu treffen.

Und bevor ich es vergesse: Ich darf dir einen lieben Gruß von Jörg aka Tronimal ausrichten.

TRIAC: Oh vielen Dank – die lieben Grüße gebe ich gerne an dieser Stelle zurück.

channard: TRIAC, großes T, großes R, großes I, großes A, großes C. Was hat es mit dem Künstlernamen auf sich?

TRIAC: Auch wenn es wie eine Abkürzung anmutet hinter der sich etwas ganz individuelles verbergen könnte, stammt der Begriff aus dem elektronischen Bereich und steht für einen Doppeltransistor. Im Grunde war die Idee: TRIAC klingt cool – das passt.

channard: Bleiben wir beim Künstlernamen. Hinter einem solchen steht in der Regel auch Kunst. Welche Kunst betreibst du und wie kommt der Game Boy hierbei ins Spiel?

TRIAC: So weit möchte ich mich gar nicht aus dem Fenster lehnen um meine Arbeit als Kunst zu bezeichnen. Auf alle Fälle ist es aber Musik. Mein Instrument ist der Game Boy den ich mit dem Sequenzerprogramm Nanoloop betreibe. Mit dieser Ausstattung kann man übrigens auch Live spielen: einfach an einen Mixer anschließen und laut drehen hehe.

channard: Das Ergebnis daraus wäre dann Chiptune-Musik?

TRIAC: Ja, genau.

channard: Für alle, die mit dem Begriff Chiptunes nicht so viel anfangen können – wie würdest du das in eigene Worte fassen?

TRIAC: Chiptune ist kein Genre sondern einfach eine Art und Weise Musik zu machen. Die Musik wird hier direkt über den Soundchip der jeweiligen Spielekonsole erzeugt oder über moderne Hardware die in der Lage ist klassische Konsolen zu simulieren. Das ist im wesentlichen Chiptune. Welches Genre dadurch produziert wird, etwa technolastige Tracks oder vielleicht doch etwas punkiges mit Technoeinflüssen oder Drum and Bass – das ist dann ganz verschieden.

channard: Wenn man nun Interesse hätte, in die Musikproduktion auf dem Game Boy einzusteigen und man alle Hardwarevoraussetzungen erfüllt hat – sprich der Game Boy ist vorhanden und ein entsprechendes Sequenzerprogramm wie Nanoloop oder LSDJ liegt vor, wie geht es dann weiter?

TRIAC: Das kommt darauf an was man machen möchte. Für eine einfache Home-Party ist der Game Boy erst einmal ausreichend. Ich persönlich habe immer den Mixer dabei weil ich zwei Game Boys benutze, damit ich nicht immer nach jedem Track auf Pause drücken muss um einen neuen auszuwählen. Ich kann dann den einen leise machen und den anderen laut für einen fließenden Übergang. Zusätzlich habe ich immer auch noch ein kleines Effektgerät dabei, ein Chaos Pad Mini von KORG für Halleffekte und ähnliches, manchmal nehme ich auch einen Synthesizer mit.

channard: Du hast heute zum Interview auch einen deiner Game Boys mitgebracht. Man sieht auf Anhieb eine recht markante Modifikation: Die Hintergrundbeleuchtung. In der Game Boy Musikerszene werden auch oft Geräte mit Pro Sound Mod genutzt. Was hältst du davon?

TRIAC: Ganz nebenbei: Dieses Game Boy Modell besitzt ebenfalls den Pro Sound Mod. Man sieht es ihm nur nicht an da der Mod direkt an den Standard-Klinkenausgang gelegt ist. Diese Modifikation verstärkt die Höhen und die Tiefen – gleichzeitig reduziert er das Rauschen. Das ist der wesentliche Effekt der schon etwas ausmacht. Man hört den Unterschied.

channard: Jetzt könnte man natürlich meinen Musik machen auf dem Game Boy – da kann doch eigentlich nur Gepiepse und Gedudel rauskommen. Aber das ist ganz und gar nicht der Fall wie man zum Beispiel an deiner aktuellen EP „Eat your Bricks“ erkennen kann. Auf die EP kommen wir später noch zu sprechen.

Du beschreibst deine Musik wie folgt: sie ist schnell, fröhlich und abgedreht. Das kann ich bestätigen – ich war zwar noch nicht auf einem deiner Live-Auftritte – allerdings gibt mir die Eat your Bricks EP schon ganz gute Einblicke in deine Art Musik zu machen. Man kann der EP auch ganz gut anhören, dass du nicht erst auf dem Game Boy Musik machst, richtig?

TRIAC: Richtig. In meinem Fall spielt mit Sicherheit auch die musikalische Erziehung eine Rolle. Ich habe mehr oder weniger drei verschiedene Instrumente in unterschiedlichen Intensitäten gespielt – Klarinette zum Beispiel. Außerdem arbeite ich stetig an meinem Musikverständnis – vor allem für elektronische Musik die ich auch analysiere. Sehr Interessant ist der Aufbau von Spannungsbögen oder die Drop-Gestaltung. Meistens bastle ich nicht einfach drauf los.

channard: Einfach drauf los basteln werden mit Sicherheit aber die meisten Neulinge die auf dem Gebiet Fuß fassen möchten. Kann das gut gehen ganz ohne musiktheoretisches Verständnis loszulegen?

TRIAC: Ja warum nicht? Das kommt ganz darauf an was du für Ambitionen hast. Das ist eine grundsätzliche Frage bei Künstlern generell und unabhängig von Chiptunes: Braucht man eine fachliche Vorbildung um ein guter Künstler zu sein? Meine Antwort darauf: Prinzipiell nein! Wenn man ein Gespür für Harmonien hat dürfte das klappen.

channard: In solchen Fällen wird sich der erste Erfolg wahrscheinlich wesentlich später einstellen, da einiges nach der Methode Learning by Doing verläuft, man stark am experimentieren ist und vielleicht noch gar nicht so genau weiß, in welche Richtung es eigentlich gehen soll.

TRIAC: Da kommen aber meist sogar die coolsten Sachen bei raus. Ich weiß gar nicht, ob das allgemeine Musikverständnis zwangsweise zu besserer Musik führt. Also wenn man in so eine Professionalität geht, wird das alles auch irgendwie automatisch gleichgeschaltet finde ich. Zuletzt habe ich mir wieder einmal ganz alte Sachen von mir angehört – und denke, das hatte auch schon was. Vielleicht nicht so zugänglich – aber es war doch irgendwie cool.

channard: TRIAC – die frühen Jahre. Kann man in deine alten Stücke evtl. auch einmal reinhören?

TRIAC: The early years haha. Das Problem ist immer und den Anspruch stelle ich an mich selbst, wenn ich etwas veröffentlichen wollen würde, dann muss das auch was ordentliches sein. Deswegen veröffentliche ich derzeit viel weniger als ich eigentlich könnte. Auf der EP sind jetzt 8 Lieder – ohne Probleme hätte ich 20 oder 30 veröffentlichen können.

channard: Das heißt, die 8 Lieder auf der Eat your Bricks EP sind quasi eine Auswahl aus deinem Musikpool, ein Best of sozusagen?

TRIAC: Eigentlich nicht. Das witzige ist: Zu dem Zeitpunkt als ich entschlossen hatte welche Lieder auf die EP sollen, hatte ich bereits wieder neue Lieder und war eigentlich gar nicht mehr zufrieden mit der Tracklist für die EP.

channard: Also ich bin sehr zufrieden mit der Liedauswahl.

TRIAC: Das geht bei mir eigentlich immer schnell. Es ist immer ein extremes Schwanken zwischen oh Gott das ist der coolste Track den ich jemals gemacht habe oder der ist doch eigentlich total scheiße. Das braucht manchmal nur 3 Tage.

An dieser Stelle übrigens vielen Dank an die Jungs von Threehouse für die gestalterische Umsetzung der EP.

channard: Zum Thema Liveauftritte – du hast ja bisher mehr als 40 Liveauftritte absolviert. Hast du die 50 schon geknackt?

TRIAC: Noch nicht ganz. Bin Jetzt bei 47 oder 48.

channard: Unter anderem warst du auch in Darmstadt was ja eher so in meine Richtung tendiert. Dresden – Darmstadt das ist schon eine Distanz. Was animiert dich dennoch so weit zu fahren bzw. wirst du eingeladen von den Veranstaltern oder nimmst du evtl. selbst Kontakt zu den Clubbetreibern vor Ort auf? Wie kann man sich das vorstellen?

TRIAC: Grundsätzlich werde ich direkt angesprochen. Wir haben da und da dieses Event geplant in das du ganz gut reinpassen würdest. Hast du Lust zu kommen. Und dann entscheide ich.

channard: Wie groß wäre denn die Chance für mich für einen Auftritt deinerseits in Mainz?

TRIAC: Kommt ganz darauf an ob ich eingeladen werde. Die Fahrt muss sich natürlich lohnen. Lohnen heißt es muss ein cooles Event sein wo dann eben auch nicht nur 5 Leute da sind die am Ende noch nicht mal richtig bock haben. Voraussetzung wäre definitiv ein Platz zum Pennen, Fahrtkostenerstattung cool und ein bisschen Gage Kür.

channard: Wie sieht es mit Events wie der Gamescom oder der langen Nacht der Computerspiele aus. Könntest du dir da ein Engagement in musikalischer Hinsicht vorstellen?

TRIAC: Bei der langen Nacht der Computerspiele hatte ich bereits in den vergangenen Jahren einen Auftritt – dieses Jahr musste ich leider wegen eines Türkeiaufenthaltes absagen. Nintendoom in Belgien musste ich dieses Jahr leider auch ausfallen lassen weil ich verhindert war. Einen Auftritt auf der Gamescom würde ich sehr gerne auch einmal machen – wurde bisher aber noch von niemandem drauf angesprochen.

channard: Du schreibst, dass sich deine Musik irgendwo zwischen Techno, Trance und Hardcore ansiedelt – ordnet sich aber nicht gerne in Schubladen ein. Techno, Trance und Hardcore sind ja seit Anfang der 90er Jahre bei der Masse etabliert. Darüber hinaus ist deine Musik gut tanzbar. Kannst du dir denn vorstellen, auch einmal den ein oder anderen Track zu produzieren, der sich prima als Backgroundmusic in einem Game Boy Spiel machen würde?

TRIAC: Also das ist so eine Sache. Ich habe bereits einen Soundtrack für ein Spiel geschrieben: Hexacube. Gibt es unter anderem für iOS. Das ist grundsätzlich etwas schwieriger mit Nanoloop einen Soundtrack zu machen weil Nanoloop eher einen repetitiven Charakter hat – wie der Name auch schon sagt Nanoloop – das Looped halt dauerhaft. Da ist es schwierig eine fortwährende Melodie zu schreiben – das geht zwar schon auch, aber man ist da doch relativ bald beschränkt in seinen Möglichkeiten. Ich habe ehrlich gesagt nicht so ganz große Ambitionen in der Richtung was zu machen – ich mag halt doch die Tanzmusik einfach mehr.

channard: Die Eat your Bricks EP ist ja seit September 2014 auf dem Markt. Was als erstes auffällt: Das markante Cover der EP. Zwei Scheiben Brot, Salat, Käse und dazwischen Steine die ganz deutlich an Lego erinnern. Wie kam es dazu?

TRIAC - Eat your Bricks - cover

TRIAC: Auf alle Fälle im Dialog. Mein Bruder hat zum Beispiel das Cover gestaltet. Wie ich allerdings auf den Titel Eat your Bricks gekommen bin – das weiß ich heute nicht mehr haha. Manchmal habe ich so spontane Einfälle. Eigentlich sollte die EP ja ursprünglich Plastikplanet heißen – auf Anraten meines Bruders bin ich aber davon abgekommen weil der Name einfach nicht passen wollte.

channard: Beim ersten Titel der EP „Guck nicht so blöd“ ist mir genau das passiert. Ich habe erst mal blöd geguckt. Der Titel verfügt über ein Intro/Outro die gar nicht so zu dem Mittelteil des Tracks passen wollen. Aber zusammengenommen hat der Titel etwas tolles.

TRIAC: Der Titel eignet sich übrigens auch ganz gut für den Einstieg in einen Live Auftritt. Ich versuche da immer etwas zu finden was halbwegs zugänglich ist ohne gleich die volle Power auszuspielen.

channard: Um die Leute behutsam einzuführen?

TRIAC: Behutsam schon, aber nicht zu sehr – es muss schon die Richtung weisen.

channard: Damit wäre ich mit meinen Fragen durch. Ich bedanke mich recht herzlich für das nette Interview. Hast du noch etwas was du gerne ansprechen würdest?

TRIAC: Ja, ich finde es etwas schade, dass die deutsche Chiptune-Szene nicht vernetzt genug ist. Wir haben in Deutschland viele gute Künstler – nur leider interagiert das meines Erachtens nicht genug. Die Vernetzung könnte besser sein – über Facebook gibt es zwar ein paar einschlägige Gruppen über die viel kommuniziert wird – aber da geht auf jeden Fall noch was.

channard: Da würde sich ja fast eine Art Chiptune-Treffen anbieten auf dem sich diverse Künstler an einem Wochenende einmal richtig austauschen können. Von Angesicht zu Angesicht. Das bräuchte ja erst einmal nur einmal im Jahr stattfinden.

TRIAC: Das wäre gar nicht schlecht. In Nürnberg gibt es zum Beispiel das Chip hits the Fan Treffen oder in Erfurt die Retro-Party. Das geht schon in die richtige Richtung. Für ein Come Together würde sich unter anderem auch Tronimals LSDJ Workshop anbieten. Meist sind mir diese Treffen aber doch etwas zu technisch – da wird viel mit dem Lötkolben gearbeitet. Da habe ich leider gar keine Erfahrung mit. Perfekt wäre vielleicht eine Gleichberechtigung nebeneinander zwischen dem künstlerischen und dem technischen Angebot.

Eine kleine Sache kann ich noch verraten: Dieses Jahr werde ich auf alle Fälle eine weitere EP veröffentlichen. Seid gespannt!

TRIAC ist hier zu erreichen:

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