channard trifft Pokeface – 07.10.2017 | Nürnberg

Eine Schale voller Obst, Bier, kleine Häppchen, eine Stehlampe in der Ecke und zwei bequeme Sofas – so präsentiert sich der Backstagebereich oberhalb des Festsaals im Künstlerhaus Nürnberg. Mir gegenüber sitzen Karpface und Senor Umbreo – gemeinsam Bilden sie das Musikprojekt Pokeface.

Karpface ist übrigens niemand geringeres als 9-Heart aka DantesDMG aka The Chiptrash Champion aka Wizard of 1000 Points. Sein Kumpel Senor Umbreo wird euch als Gampoy bekannt sein.

channard: Cool, dass ihr Zeit habt und wir uns am Rande des Chip hits the Fan Festivals für ein kleines Interview treffen können. Das Chip hits the Fan Festival ist für mich jedes Jahr das Chiptune-Highlight überhaupt. Ihr beide habt vor knapp 6 Wochen allerdings bereits ein Highlight gehabt: chipwrecked auf der Insel Bornholm in Dänemark. Das war die erste Veranstaltung dieser Art, oder?

Karpface: Genau, das gab es noch nicht und ist aus der Idee von Anders Holm entstanden. Er sagte, er will ein Festival in der nordischen Region und hat dann ein paar Leute gefragt ob sie spielen wollen – wie zum Beispiel Nordloef. Bekannt gemacht hat er die Idee in Chiptune-Gruppen auf Facebook und dann ist das Ganze halt explodiert. Viele haben gesagt, wir wollen auch spielen!

Senor Umbreo: Das waren echt extrem viele und international sehr bekannte Artists. Das war ein großer Anreiz.

Karpface: Das war, glaube ich, bisher das größte Event mit einer Ansammlung von Chiptune-Artists. Man hat jeden Tag ein volles Programm gehabt.

Senor Umbreo: Zu Superbyte war es eher kein Vergleich, aber chipwrecked war dennoch extrem cool.

channard: Auf der chipwrecked Kickstarterseite habe ich gelesen, dass Anders auf der Insel ein Bauernhaus erworben hat. Dient das lediglich als Eventlocation für chipwrecked?

Karpface: Ne, ich denke das kommt hauptsächlich daher, dass Anders autark lebt und zum Beispiel auch alles was er verbraucht selbst anbaut. Er ist Veganer, hat seinen eigenen Garten und das war auch eine seiner Hauptregeln, dass aus seinem Garten nichts gepflückt und abgerissen wird. Das man das auch respektiert.

Senor Umbreo: Die Beeren zum Beispiel auf dem Campingplatz wären ihm egal gewesen – nur das was er kultiviert hat war off-limits.

channard: Auf der Insel gibt’s ja eine Infrastruktur. Es muss niemand verhungern – auch wenn der Garten einmal weniger gute Ausbeute abwirft. Ich habe mir den Lageplan seiner Farm einmal ausgedruckt – vielleicht könnt ihr dazu das ein oder andere erzählen.

[Hinweis: aus datenschutzrechtlichen Gründen möchte ich an dieser Stelle den Lageplan nicht selbst abbilden – ihr habt aber ►hier die Möglichkeit euch die Luftaufnahme anzugucken]

Was definiert ist sind die Bereiche rosa (=halbe Outdoor-Bühne), grün (=vegane Speisen und Getränke), lila (=Lounge) und blau (=Campingbereich).

Karpface: Das coole: die Hälfte von dieser Halle ist etwas höhergelegt mit Heuboden und da oben hat ein Freund von Gampa hinter der Leinwand gesessen und die Visuals gemacht. Ja die Bühne war quasi indoor und davor dann der Dancefloor. Das gelbe Rechteck auf dem Plan ist ein Raum der ausgeschmückt war – mit Keyboards und Tastaturen.

Senor Umbreo: Und der ganze Platz in der Mitte, der lila Bereich war Chillout-Area und Lounge mit Bänken.

Karpface: Ja und dieser blaue Bereich ist die Outdoor-Camping-Area. Da war total ungemähtes Gras – kniehoch. Und relativ nahe an der Stage. Dieser hintere Teil da waren wir – das war so Camp Deutschland. Was richtig cool war: Anders hat da alles mit einer Lichterkette ausgeleuchtet. Im Dunkeln hat man also immer wieder dort hingefunden. So minimalistisch es auch war – das war sehr gut organisiert.

channard: Ich habe auf Facebook gelesen, dass chipwrecked auch im nächsten Jahr wieder stattfinden soll. Da seid ihr beiden doch bestimmt auch wieder mit dabei, oder?

Karpface: Ja, aber ich glaube der Gampa will lieber fliegen. Von Österreich ist schon sehr umständlich. Er ist erst mit dem Auto zu mir nach Michelstadt, dann sind wir zusammen nach Darmstadt zu Niels und dann nach Norden über die Insel Rügen mit der Fähre auf die Insel Bornholm. Das war sehr anstrengend. Ich fand’s ok. Für mich hat die Rückfahrt länger gedauert als die Hinfahrt.

channard: Ich habe mir die Liste der Artists angesehen. Wenn ich die so durchgehe dann liest sich das ja wie das Who is Who der Chiptune-Szene. Namen wie 9-Heart, Gampoy, havocCc, Irq7, Kid Knorke, Krachwalze, The Mad Bitter, Nordloef, Shortee und Tekmann sind jetzt nur mal die die mir sofort bekannt sind.

Karpface: Es gab auch Leute, 4ntler zum Beispiel, der hat online noch nichts released war aber live eine absolute Granate.

Senor Umbreo: Es gab fünf oder sechs Artists von denen ich noch nichts gehört habe und die richtig gut rausgehauen haben. Zum Beispiel Defense Mechanism sollte man unbedingt auf dem Radar haben.

channard: Ich hatte vor chipwrecked mit Anders gesprochen ob von seiner Seite aus die Möglichkeit besteht einen Livestream anzubieten. Leider war ein Livestream nicht möglich – aber dankenswerter Weise habt ihr ja einige Videos auf Instagram gepostet durch die ich ja doch noch etwas näher am Event sein konnte.

Karpface: Oh ja und da war schon wieder ein 1-Minuten Video vom Irq7 dabei, vom Hannes, mit dem einen Track den ich so feiere wo ich schon seit Ewigkeiten verlange, dass der rauskommt – das habe ich ihm beim letzten Video gesagt – und ich bekomme nur Videoschnipsel von ihm und nie den kompletten Track. Oaaahhh.

channard: Na irgendwann wird er ihn schon rausrücken. Ich habe gelesen, dass neben dem Musikprogramm auch Workshops angeboten wurden. Unter anderem DJ Diskmachine „Getting more out of less“ und Jerome Weijers „backlight/bivert/sound mods for gameboy dmg’s“.

Karpface: Ja bei “getting more out of less” waren wir nicht dabei aber bei dem Modding-Workshop. Am ersten Tag dauerte der Workshop 2 Stunden und weil so viele Leute dabei sein wollten, wurde der Workshop am nächsten wiederholt und der hat sich 8 Stunden gezogen. Jerome hat das auch super gemacht, der hat dir alles erklären können, zum Beispiel welche Bivert-Chips er nutzt und welche er nicht nutzt weil die vom anderen Anbieter diese und jene Probleme haben. Die Hälfte des Campingplatzes war einen halben Tag abwesend weil die nur da beim Workshop gehockt haben.

channard: Ok ich sehe schon, chipwrecked 2018 ihr seid wieder dabei.

Karpface: Ja haha du musst unbedingt mitkommen und berichten.

channard: Yoahh die Instagram-Videos haben mich schon überzeugt irgendwie. Wenn in der Zeit Urlaub möglich ist – dann gerne. Chipwrecked machen wir einen Strich drunter und leite direkt zu Pokeface weiter. Ihr schreibt auf der Pokeface Bandcamp-Seite, dass die Idee für eine Zusammenarbeit 4 Jahre alt ist. Das heißt, ihr kennt euch schon mindestens 4 Jahre lang.

Karpface: Ja das Ding ist wo haben wir uns kennengelernt? Auf dem Chip hits the Fan. Das war so: welches Jahr war’s? Das Jahr weiß ich immer nicht.

Senor Umbreo: Ich vermute, dass es vor 5 Jahren war.

Karpface: Das war, ich war auf der Open Stage … das war bei, wie heißt sie, wo Deadbeatblast gespielt hat.

Senor Umbreo: Genau!

Karpface: Das war 2011 oder 2010?

Senor Umbreo: Du bist mir so auf die Eier gegangen.

channard: Hahahaha

Karpface: Ne das war echt so. Das Ding war er hatte ein T-Shirt an mit einer Grafik von Love Through Cannibalism. Das ist ein Glitch-Artist in der Chipszene. Ich bin da auf’s Klo gegangen, und sehe wie er auch da reingeht mit dem T-Shirt und ich habe mir gedacht so „Hey man, Alter der hat ein Love Through Cannibalism Shirt“ und ich so „Hey, cooles Shirt“. Das war der erste Kontakt. Ah ok den spreche ich jetzt mal an, weil der muss irgendwie cool sein oder irgendwas wissen über die Chipszene wenn er so ein T-Shirt trägt.

Senor Umbreo: Ich hatte ja das Glück oder mehr oder weniger die Möglichkeit, dass ich mit dem Love Through Cannibalism mehr oder weniger durch, wie heißt es …?

Karpface: 8 Bit Collective

Senor Umbreo: Ja 8 Bit Collective, die hatten einen Minecraft-Server und da haben ich, Whitely, 2xAA und Victor, also Love Through Cannibalism, miteinander gespielt. Das war echt ziemlich lustig damals. Wir haben da echt offiziell drauf gespielt und später bin ich auch mit 2xAA und Whitely für ein halbes Jahr oder so jeden zweiten oder dritten Tag auf Skype, Groupcall und dann Minecraft gezockt und Voice-gechattet während Whitely an der You & Him EP rumgewerkelt hat. Das war meine Anfangszeit mit dem Game Boy und dann habe ich irgendwann diesen Wahnsinnigen getroffen. Das war cool.

channard: Und vom Stil her gleich gemerkt das passt, das harmoniert irgendwo?

Senor Umbreo: Ja wir haben uns ja auch gegenseitig so ein bisschen gefeiert.

Karpface: Ich habe damals auf dem 8 Bit Collective das ►Disaster Debut EP Coverart gesehen, ich hab’s dann gehört und gedacht argh das hört sich kacke an.

Senor Umbreo: Hahahaha

Senor Umbreo: Wir haben dann auch auf Facebook angefangen zu schreiben.

Karpface: Und dann waren wir halt auch sehr viel mit dem Niels zusammen, auf Nintendoom, Eindbaas.

Senor Umbreo: Bei Eindbaas war ich nicht mit. Du warst dafür beim super coolen Superbyte nicht mit.

channard: Wo waren wir eigentlich stehen geblieben? Achso, Pokeface. Dann hat es 4 Jahre gedauert bis ihr das Album erstellt habt.

Karpface: Ja im Endeffekt war es so: der erste Track auf dem Album, quasi ein Track von mir den ich vor Jahren einmal geschrieben habe für einen Contest auf einer Webseite der aber sehr trashig war und Gampa meinte „ich will jetzt einen Game Boy, ich muss irgendetwas machen“. So ist dann der erste Song entstanden und schon vor 4 Jahren war er fertig aber dann haben wir nicht mehr so viel gemacht eben.

Senor Umbreo: Das hat sich vor nicht allzu langer Zeit dann geändert … wieviel Tracks hatten wir bevor wir letztes Jahr wieder richtig angefangen haben?

Karpface: Wir hatten eigentlich nur zwei. Wir hatten den ersten und diesen No More Heroes.

Senor Umbreo: Ja genau, der eigentlich am Anfang nur für dich gedacht war. Du hast gesagt du willst ein Cover machen, da habe ich gesagt ja lass mich mal ein Dubstep-Beat drüber bügeln. Dann habe ich das gemacht und dann ging’s weiter.

channard: Wenn ich mir so das Cover des Albums betrachte oder auch die Namen mit denen ihr auf dem Album auftretet dann geht das ja schon ganz klar in eine bestimmte Richtung: Pokémon! Was direkt auffällt: Karpador und Nachtara spielen offensichtlich eine besondere Rolle. Sind das eure Lieblingspokémon?

Senor Umbreo: Bei mir ist es das Lieblingspokémon. Ich mag Evoli generell als Pokémon weil es so wandlungsfähig ist. Ich habe auch fast jede Pokémon-Generation durchgespielt, nur bei den letzten Sonne und Mond, das ist mir schon zu neu. X und Y gingen noch.

channard: Die Neuen sind auch zu leicht.

Senor Umbreo: Ja genau. Die Neuen sind viel zu leicht.

channard: Karpface wie kamst du zu Karpador?

Karpface: Das kam speziell durch die Mütze. Mein Lieblingspokémon ist Tauboga. Tauboss kannst du vergessen. Tauboga sieht so gut aus.

channard: Ich habe mir die Tracks angehört. Sind ja insgesamt 8 Stück und beim ersten zum Beispiel „NorthEastMeowtWest“ – Meowt ist Mauzi, oder?

Senor Umbreo: Ja das ist auch die einzige Pokémon-Referenz in dem Track.

Karpface: Der Gag sollte halt sein, dass die die einen your favorite moment in gaming History erwarten, denken, ah jetzt kommt ein Pokémon-Track, aber NEIN!

Senor Umbreo: Ich wollte ja eigentlich in der Entstehungsphase ein Lavender-Town Cover machen – in Dubstep. Und er hat dann echt gesagt, ne mach das für Gampoy.

channard: Lavender-Town wäre schon krass – würde auch auf ein Halloween-Album passen. Über die Lavender-Musik gint’s doch Mythen und Legenden – sagt man nicht auch, dass in Japan Kinder verrückt geworden sind?

Karpface: Ich habe mich auch viel zu lange damit beschäftigt und bin zur Entscheidung gekommen das ist Bullshit.

Senor Umbreo: Ja, ich glaube schon, dass da was dran ist denn man muss bedenken, Japaner spielen nur mit Kopfhörer. Da denke ich mir dann schon, wenn die Kinder das direkt per Kopfhörer reinbekommen, also nicht unbedingt Nasenbluten oder so, aber wenn du dir die Beta-Musik mal anhörst die die Kinder da getestet haben, mich würd’s nicht wundern wenn die Alpträume bekommen hätten, weil das Lied ist schon hart.

channard: Was mir generell so aufgefallen ist und gar nicht wirklich zum eher kindlichen Pokémon-thema passen will: fast in jedem Track kommt das Wörtchen Fuck vor.

Karpface: Njaaaaa

Senor Umbreo: Das sind Samples vom Game Boy abgespielt.

channard: Jetzt hat mir Karpface aber auch verraten, dass ihr euch öfter WhatsApp Sprachnachrichten zuschickt und die teilweise in den Tracks verwendet.

Karpface: Ja, das kommt beim letzten Track vor.

Senor Umbreo: Ja beim letzten Track habe ich die ganze Sprachnachricht eigentlich abgespielt.

channard: Schieben wir zurück, der letzte Track kommt zum Schluss.

Karpface: Bei dem ersten Track hast du ja am Anfang dieses „stand the fuck back“ und dann hat der Gampa noch ganz am Ende eingefügt, nach diesem traurigen Part, kommt ja dieses „the pain he gave you is wonderful“ was ja eigentlich mehr so 9-Hearts Samples sind die ich schon vor Urzeiten auf was anderem benutzt habe.

Senor Umbreo: Ich klau‘ ihm immer mal wieder was.

Karpface: Wir haben sehr viele Samples auf Pokeface selber gemacht.

Senor Umbreo: Wir haben die großen Teile dieses Tracks … also es gibt drei Phasen dieses Tracks, die erste war als wir beim Niels zu Hause waren, da habe ich etwas Struktur drüber gebügelt.

Karpface: Man muss auch dazu sagen, bei den meisten Tracks ist es so, dass der Gampa die Struktur mit reingebracht hat. Aber wie er schon sagt es gab drei Phasen. Die eine bei Niels wo auch noch der traurige Part mit drin war, dann habe ich irgendwann einmal gesagt der muss raus, den können wir da nicht gut einfügen, und ganz gegen Ende hat er so gesagt „Oah, ich habe jetzt einen Weg gefunden wie es reinpasst“ und ich dann so „das glaub ich net“. Weil er immer daran geglaubt hat.

Senor Umbreo: Ja ich wollte keinen eigenen Track draus machen – das wäre zu wenig gewesen.

channard: Im zweiten Track „Your very own favorite moment in VideoGame History“ da haben wir dann wieder den Hey Fuckhead und wer ist eigentlich Travis?

Senor Umbreo: Hahahaha

Karpface: Du weißt nicht wer Travis Touchdown ist? Dann kannst du den Track ja gar nicht versteeeeehn.

channard: Ja ich habe ihn auch nicht verstanden aber ihr erklärt mir das bestimmt.

Karpface: Der basiert auf dem Nintendo Wii Spiel No more Heroes, wo Travis Touchdown der Held ist. Auf der Nintendo Switch kommt jetzt nächstes Jahr der dritte Teil.

Senor Umbreo: Nein! Das ist kein dritter Teil!

Karpface: Ok

Senor Umbreo: Das ist nur ein Sequel im selben Universum mit dem selben Main-Character.

Karpface: Ok, aber mehr spoilerst du mir nicht. Ich hab noch keinen Trailer gesehen aber er schon.

Senor Umbreo: Es gibt nur einen.

Karpface: Nein das ist mir scheißegal – ich will nix davon hören. Auf jeden Fall ist es so die ganzen Samples, zum Beispiel das Fuckhead, sind alle aus dem Game selber.

channard: Was mir bei Track 2 auch noch aufgefallen ist, ist der orientalische Touch.

Karpface: Ja aber das kommt eben von dem von dem wir es gecovert haben. Da kommt so richtig dieser Vibe dazu.

channard: Oh zu Track 3 „Essenziell und gar nicht wichtig“ habe ich mir gar nichts aufgeschrieben.

Karpface: Ja der Track basiert im Grunde auf „Essenziell – Doch gar nicht wichtig“ auf der ►Hund frisst Hund weil ich wollte von dem Track auf der Hund frisst Hund mal ein Remix machen, hab irgendwie rumgenudelt, und die meisten Tracks sind eben dadurch entstanden, in dem ich Gampa ein Haufen von Jams und so Sachen die ich mal so ausprobiert hab quasi geschickt habe.

channard: Der nächste Track „Melodies, Miles and Styles“, der 4er, das ist mein Lieblingstrack – der ist am geilsten.

Karpface: Das ist wieder das typische. Er basiert auf einem Track von mir und Gampa hat Struktur drüber gehauen.

Senor Umbreo: Ich habe auch eins bis zwei Melodien geliefert und du hast dann nochmal zwei nachgeballert.

Karpface: Das Finale ist dann wieder so mein Ding.

channard: Ich finde ihn sehr melodisch und angenehm zu hören.

Senor Umbreo: War das auch nicht der den wir zweimal auf chipwrecked gespielt hatten?

Karpface: Am chipwrecked waren wir so verballert, dass wir den Track zweimal gespielt haben.

channard: Ja und den Leuten, ist das denen aufgefallen?

Karpface: Ne, wir haben den gespielt und dann hat er gesagt, während den ersten Sekunden „ey den haben wir schon gespielt“. Und ich so „nein, nein, nein“ und irgendwann habe ich dann selber dran gezweifelt und ich so stimmt das jetzt oder nicht? „Hey guys, do you know if we already played this?” und die so öhöh-hö und wir so okeey und weitergemacht. Und kurz vorm Ende war mir dann auch klar, ok den hatten wir schon gespielt.

channard: Das ist total der geile Track. Ich hätte ihn mir dort auch drei, viermal anhören können.

channard: Track 5 „End of Act I“

Karpface: Das ist ein kompletter Gampa-Track. Ich hatte ihm die Ur-version geschickt und er hat alles andere gemacht.

channard: Der Track ist so richtig schön jazzig oder clubbig. Spielt ihr den heute Abend auch auf dem Festival?

Karpface: Oh-ohoh da muss ich schauen ob wir den noch auf der Cartridge haben. Das Problem ist, auf der Pokeface-Cartridge die wir haben, da ist das eine Sample halt nicht mit drauf und deswegen habe ich den Track auf irgendeiner anderen Cartridge drauf.

channard: Track 6 „A Question of Attitude“

Karpface: Ah ja, da ist auch ein Sample aus dem letzten Track drin “you wanna front me”. Das ist auf jeden Fall ein Track, da hat er mir …

Senor Umbreo: Da habe ich dir die ersten drei Phrases geschickt.

Karpface: Weil ich hab zu dir gesagt du sollst was langsameres schreiben, weil er schreibt immer was auf 170, 180 … schreib mal was langsames. Und dann schickt er mir über WhatsApp so einen kleinen Snip und ich „Oh Gott, das ist so geil schick mir des“. Ich bin voll ausgeflippt.

channard: Hahahaha

Karpface: Und das krasse war, er hat ihn mir geschickt und in zwei oder drei Tagen habe ich dann den Track …

Senor Umbreo: Richtig aufgezogen und fast so gemacht wie er jetzt ist. Da bin ich ganz besonders stolz auf ihn. 9-Heart ist ab und zu schon etwas speziell aber da habe ich gesehen was man nicht alles erreichen kann. Ich hab mich extrem gefreut, ich habe den Track zurück bekommen und ich konnte es gar nicht glauben „oh mein Gott was hat er gemacht? Das ist so gut“. Und ganz viele Sachen die auch selber logisch sind kommen wirklich nur aus seinem Kopf. Also der Track, ich weiß nicht warum, aber ich will trotzdem wieder sagen, dass … da habe ich wirklich nur wieder den Anfang gemacht, nur gesagt in welche Richtung es gehen soll und dann hat er genau in diese Richtung in die ich auch wollte, weiter gemacht. Und das ist so genial.

channard: Das zeigt aber doch auch sehr schön das Verhältnis zwischen euch beiden, dass wenn es um Musik geht, ihr dieselbe Sprache sprecht.

Karpface: Also man muss auch sagen, bei Pokeface, hatten wir zwei Momente, wo einmal ich gesagt habe ich schmeiß jetzt das alles hin du kannst mich am Arsch lecken und du hast auch einmal diesen Moment gehabt „ey wenn du jetzt nicht mal ein bisschen zurückfährst, dann ist Schluss“. Also es gab auch schon mal so fette Beefs. Aber das lag halt nicht an der Musik. Das lag hauptsächlich an der Produktivität.

Senor Umbreo: Bei dir lag’s an der Produktivität und bei mir, ich hatte auch Phasen wo ich nicht schreiben konnte oder schreiben wollte und das ist eben in einem Zweispieler-Projekt schon ein bisschen frustrierend für den anderen.

channard: Also normal hätte ich jetzt gesagt, ihr habt ja bestimmt nicht mit dem Album unter Druck gestanden – aber zu chipwrecked wolltet ihr schon Tracks haben, oder?

Karpface: Ja, also das war der Plan.

channard: Beim siebten Track habe ich zur Katakana-Tafel greifen müssen. Den Titel コイキング übersetze ich ko i ki n gu was auf Deutsch kochen bedeuten würde.

Karpface: Nein, nein, nein da hast du eine falsche Übersetzung. Die eigentliche Übersetzung ist Koiking – König der Kois. Und Koiking ist der japanische Name für Magikarp also für Karpador. Ich hab’s von PokeWiki kopiert – das muss richtig sein haha. Ich bin übelst ausgeflippt bei dem Song. Ich hab ihm gesagt, du darfst alles von hier bis dahin nicht anfassen – da darf nichts gemacht werden.

channard: Wir sind beim letzten Track „Everybody and Everyone“. Den hattest du mir schonmal vorgespielt – ich kannte den. Und vor allem auch die letzten 5 Sekunden kannte ich eben. Diese richtig geile WhatsApp-Nachricht. Und da ist der Motherfucker auch wieder drin. Gehört einfach zum guten Ton sage ich mal.

[Hinweis: an dieser Stelle haben die übrigen Artists den Backstage-Bereich betreten und das Interview gebombt – aus diesem Grund der folgende Cut und Sprung in eine neue Frage]

channard: Könnt ihr kurz beschreiben wie die gemeinsame Zusammenarbeit an einem Album praktisch aussieht? Weil ich habe gesehen, dass zwischen euch beiden, also euren Standorten mehr als 500 Kilometer liegen. Das heißt ihr stimmt euch bestimmt viel über WhatsApp oder Skype ab. Aber habt ihr euch auch mal getroffen um bei dir oder bei dir was zu machen?

Senor Umbreo: Eigentlich nicht.

Karpface: Kurz vor chipwrecked. Da war aber auch schon alles gesetzt.

channard: Ins Auto zu hocken und mal kurz vorbeifahren ist halt nicht.

Senor Umbreo: Ja weil zum Hecht sind es dann doch von meinem Standpunkt aus ca. 4 bis 5 Stunden mit schlechterem Verkehr am Abend. Da kann ich dann nicht einfach mal vorbeischauen und mit ihm chillen und Musik machen.

channard: Eine letzte Frage. Auf eurer Bandcamp Seite steht, dass unter anderem Ziel der Zusammenarbeit war „to tear apart the Dancefloor in seconds“. Den Dancefloor in Sekunden zu zerreißen. Habt ihr das heute Abend vor?

Karpface: Also der Spruch kam ja von dir (Senor Umbreo).

Senor Umbreo: Also wir versuchen es, wir haben schon einmal gesehen dass es ziemlich bock macht und das es möglich ist. Ja mal gucken wie es heute wird.

channard: Also ich lass‘ mich überraschen und freue mich sehr auf nachher.

Senor Umbreo: Wir freuen uns auch mega, dass wir da sein dürfen und spielen dürfen. Vor allem weil das auch mit der Organisation supercool war. Es wurde eigentlich nur der Hecht angeschrieben als 9-Heart.

Karpface: Und ich habe dann dem Hannes vorgeschlagen ob er uns dann auch mit reinnehmen möchte. Da buchst du halt zwei Gigs zum Preis von einem. Und der Hannes „Yes“, der sagt ja zum Leben. Aber er war auch auf chipwrecked überzeugt davon.

Senor Umbreo: Ja er hat auch getanzt. Das ist für mich das wichtigste – wenn die Leute tanzen.

channard: Das wird mir schwerfallen heute weil ich halt dauernd ne Kamera in der Hand halte oder irgendwie nen Rucksack auf dem Rücken habe oder schwere Taschen. Ich bleib auf jeden Fall bis zum Schluss da.

Vielen Dank für das tolle Interview – wir sehen uns nachher unten auf dem Dancefloor.

Pokeface sind hier zu erreichen:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..